Verena Stuhlreiter gewinnt den II. Preis beim Oberbayerischen Kunstförderpreis SeelenART 2026
Große Freude für Verena Stuhlreiter: Die Holzbildhauermeisterin aus dem Chiemgau wurde beim Oberbayerischen Kunstförderpreis SeelenART 2026 mit dem II. Preis ausgezeichnet. Prämiert wurden ihre beiden Bronzearbeiten „INSIDE“ und „Fließende Wandlung, Rabenmann“.
„Die Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“, sagte Pablo Picasso und Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger eröffnete auch mit diesen Worten sein Grusswort. Selten passt ein Satz so gut zu einem Kunstpreis wie zu SeelenART. Denn hier geht es um Kunst, die nicht nur betrachtet werden möchte, sondern berührt, öffnet und sichtbar macht, was im Alltag oft verborgen bleibt.
Die Preisverleihung fand am 12. Mai 2026 im Kleinen Theater Haar statt. Überreicht wurde der Preis vom kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrum in Kooperation mit dem Bezirk Oberbayern. Die Schirmherrschaft tragen Bezirkstagspräsident Thomas Schwarzenberger sowie der Kabarettist Gerhard Polt.
Kunst, die das Innere sichtbar macht
Der Oberbayerische Kunstförderpreis SeelenART richtet sich an Menschen, die sich über die Kunst mit seelischer Gesundheit auseinandersetzen. Genau an dieser Stelle berühren Verena Stuhlreiters Arbeiten auf besondere Weise: Ihre Skulpturen erzählen nicht laut, aber eindringlich. Sie zeigen Verletzlichkeit, Veränderung, innere Bewegung und die Frage, was geschieht, wenn etwas Verborgenes nach außen drängt.
Dabei bleibt ihre Kunst nie im rein Persönlichen stehen. Sie öffnet Räume für Betrachtende. Man begegnet in ihren Figuren nicht nur einer Form, sondern einer Haltung: hinschauen, aushalten, verwandeln.
„INSIDE“ – wenn der innere Schmerz eine Form findet
Die Skulptur „Inside“ ist im Katalog des Kunstförderpreises mit folgender Technik beschrieben: Modellieren in Wachs und Holzstäbchen, Bronzeguss, Maße 34 x 17 x 14 cm.
Schon der Titel führt direkt in das Zentrum der Arbeit. „INSIDE“ wirkt wie ein Wesen, das sich in einer fragilen, beinahe verletzten Haltung befindet. Scharfe Linien, offene Strukturen und durchbrochene Formen lassen an Schutzpanzer, innere Spannung und Verwundung denken. Etwas scheint sich nach außen zu drücken – nicht dekorativ, sondern notwendig.
Auf ihrer eigenen Werkseite beschreibt Verena Stuhlreiter die Skulptur als Ausdruck von Schmerz und Verletzlichkeit. Gerade darin liegt die Kraft dieser Arbeit: Sie macht sichtbar, was oft verborgen bleibt. Nicht als dramatische Geste, sondern als Moment der Öffnung. Die Wunden, die sichtbar werden, können vielleicht auch heilen.
„Fließende Wandlung, Rabenmann“ – zwischen Tier, Mensch und Transformation
Die zweite ausgezeichnete Arbeit trägt den Titel „Fließende Wandlung, Rabenmann“. Auch sie ist eine Bronzeskulptur, entstanden über das Modellieren in Wachs und anschließendem Bronzeguss. Die Maße betragen 17,5 x 12 x 16 cm.
Diese Skulptur steht auf einer dunklen, fließenden Grundform. Aus ihr erhebt sich eine Gestalt, die zugleich menschlich, tierisch und beinahe mythisch wirkt. Der Kopf erinnert an einen Raben, die Flügel scheinen beschädigt, die Oberfläche ist unruhig, fast geschmolzen. Die Figur wirkt, als sei sie im Moment der Verwandlung eingefroren.
Inspiriert wurde die Arbeit vom Bild eines Vogels in einer Ölkatastrophe: ein Lebewesen, gefangen im schwarzen Film, noch lebendig und doch bereits bedroht. Aus diesem erschütternden Bild entwickelt Verena Stuhlreiter eine Skulptur, die weit über eine konkrete Umweltkatastrophe hinausweist. „Fließende Wandlung, Rabenmann“ erzählt von Zerstörung, Verantwortung, Verletzlichkeit und der Möglichkeit, trotz allem in eine neue Form zu finden.
SeelenART: ein professionelles Forum für starke künstlerische Positionen
SeelenART ist mehr als ein Wettbewerb. Das Projekt versteht sich als Dach für Kunst- und Kulturprojekte des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums (Kliniken Bezirk Oberbayern) und steht für individuellen künstlerischen Ausdruck, kreative Betätigung, gesellschaftliches Miteinander und kulturelle Teilhabe.
Der Oberbayerische Kunstförderpreis wird seit 2011 im zweijährigen Turnus vergeben. Er bietet Künstlerinnen und Künstlern ein professionelles Forum, fördert künstlerische Qualität und schafft Sichtbarkeit für Werke, die sich mit seelischer Gesundheit, inneren Prozessen und menschlicher Erfahrung auseinandersetzen.
Gerade dieser Rahmen passt zu Verena Stuhlreiters Arbeiten. Ihre Skulpturen sind handwerklich präzise, formal eigenständig und inhaltlich vielschichtig. Sie lassen sich nicht schnell konsumieren. Sie fordern ein zweites Hinsehen – und genau dort beginnt ihre Wirkung.
Preisträgerausstellung in der Galerie Bezirk Oberbayern
Die mit dem 1. Preis ausgezeichneten Arbeiten werden in der Ausstellung „SeelenART 2026“ in der Galerie Bezirk Oberbayern in München gezeigt. Die Preisträgerausstellung läuft vom 9. Juli bis 2. September 2026 und versammelt Werke aus Malerei, Grafik und Objektkunst.
Für Verena Stuhlreiter ist die Auszeichnung ein wichtiger Schritt: Ihre Arbeiten treten in einen größeren öffentlichen Dialog und werden in einem professionellen Ausstellungskontext präsentiert. Für Galerien, Sammlerinnen, Sammler und Kulturinstitutionen lohnt sich der Blick auf diese künstlerische Position besonders. Denn hier verbinden sich handwerkliche Meisterschaft, Materialgefühl und eine sehr eigene bildhauerische Sprache.
Ein Preis für zwei Werke – und ein schöner Hinweis auf den weiteren Weg
Mit dem II. Preis beim Oberbayerischen Kunstförderpreis SeelenART 2026 werden zwei Werke ausgezeichnet, die stellvertretend für zentrale Themen in Verena Stuhlreiters künstlerischer Arbeit stehen: Wandlung, Verletzlichkeit, Natur, Körper, Seele und Transformation.
„Inside“ und „Fließende Wandlung, Rabenmann“ zeigen, wie stark Skulptur sein kann, wenn sie nicht nur Form ist, sondern Erfahrung verdichtet. Bronze wird hier nicht zum schweren, starren Material, sondern zum Träger von Bewegung, Schmerz und Veränderung.
Oder einfacher gesagt: Diese Arbeiten bleiben. Im Raum. Im Blick. Und im Kopf.






